Die Gottesperle (golden, groß)
Die goldene Gottesperle ist der Anfang und das Ende. Wie die Sonne leuchtet sie einem entgegen und erinnert an die Gnade und große Treue Gottes, die all Morgen frisch und neu aufstrahlt. Gott ist da, unsichtbar anwesend auch in meinem Leben. Mal wie ein warmes Licht, in das ich mich einkuscheln kann, in dem ich mich geborgen fühle. Und mal wie das klare kühle Licht in Frühlingstagen, das mich herausfordert, endlich was Neues zu wagen. Und selber ein Kind des Lichts zu sein.
Diese Perle fixiert Gott nicht auf ein Bild, auf eine Eigenschaft. Sie sagt nicht: dort wirst du ihn finden und hier nicht. Nur auf das Licht, auf die Wärme, auf den Glanz legt sie ihn fest. Das Dunkle ist dabei nicht ausgeklammert. Das werden Sie später merken bei der Perle der Nacht.
So kann ich mich fragen: wie scheint dieses Licht heute auf mich? Was nehme ich wahr von diesem Licht? Gab es Zeiten, wo ich es gar nicht sehen konnte? Und ich kann dem folgen, was alle Religionen als geistlichen Weg beschreiben: Gott ist wie eine bergende Höhle, der Ort des Rückzug, das warme Licht der Heimat, das wir brauchen und zugleich ist er das Licht der Gerechtigkeit und Wahrheit, das sich in uns und auf der Welt ausbreiten will.
Perlen der Stille (sandfarben, schmal, länglich
Neben dieser Gottesperle liegt die Perle der Stille. Sie ist länglich geformt, sandfarben. Und ringt einem die schwerste Übung ab. Das Still sein. Es stellt sich nicht ein auf Knopfdruck, auch wenn ich jetzt aufhöre zu schreiben, ist noch nicht Stille in uns drin. Sechs mal ist sie aufgereiht auf diesem Band. Immer wieder soll ich versuchen, da zu sein, bei mir zu sein, ohne zu denken an das, was war und ist und sein wird. An das, was ich gesagt und vergeigt oder wunderbar gemacht habe. An das, was ich noch erledigen muss.
Ja, am lautesten ist es in uns drin. Aber wenn man einmal einen Moment der Stille erlebt hat, wenn für Augenblicke die Zeit still stand und Ruhe einkehren konnte, weiß man, wie glücklich einen das macht. Ein kleiner Moment der Ewigkeit. Ja, die Perle der Stille verbindet mit Gott. Und sie kann uns zu dem Punkt unserer Seele führen, der mit nichts und niemandem in Kontakt kommen kann. Dieser Punkt, den wir so fürchten, weil er uns die Einsamkeit spüren lässt, die jeder von uns kennt. Die uns befallen kann auch mitten unter den liebsten und vertrautesten Menschen.
Doch Jesus hat sie immer wieder gesucht, die Stille, und hat sie seinen Freunden ans Herz gelegt. Ich denke, wer die Stille einübt, und wer dieser Einsamkeit nicht ausweicht, wird im Leben gewisser und auch im Sterben. Denn dann, im Sterben, „wird uns die Stille als Person begegnen“, sagt der Schriftsteller Martin Gutl. „Der eine wird sie als vertraut begrüßen, der andere wird vor ihr erschrecken.“
Anmerkung der Redaktion: die Perlen des Glaubens werden hier im zweimonatlichen Rhythmus beschrieben. Als nächstes folgt eine Einführung zu den Perlen des Glaubens in Kalenderwoche 26.